Türkei | Deutschland | Fankreich 2014, 196 Min.
Regie: Nuri Bilge Ceylan

Aydin, ein ehemaliger Schauspieler, hat sich mit seiner jüngeren Frau Nihal und seiner geschiedenen Schwester Necla in die türkische Provinz zurückgezogen und betreibt dort ein kleines Hotel. Neben Kolumnen für die Lokalzeitung, die das provinzielle, in erster Linie islamische Alltagsleben zum Gegenstand haben, arbeitet er an einem Buch zur Geschichte des türkischen Theaters. Umstände, die ihn daran hindern, gibt es zuhauf: Ein penetrant belästigender Imam; Wortgefechte über Gerechtigkeit, Schuld und Moral; eine von Alltagslügen korrumpierte Sprache, die ihn zur Einsamkeit verdammt.

Die Stärke des Films, der beim Filmfestival von Cannes 2014 mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, besteht insbesondere darin, dass kein expliziter Verweis auf die politische Situation in der Türkei erfolgt. Dennoch sind die Konflikte, um die es geht, keine privaten. Sie sind vielmehr Ausdruck einer Außenwelt, die in die Welt der Protagonisten einbricht.

In Erdogans Türkei ist längst der Brain Drain ausgebrochen. Wer es sich leisten kann, verlässt das Land. Alle anderen sind zum Rückzug ins Private gezwungen, und Winterschlaf ist darüber eine Studie: Was nämlich passiert, wenn säkulare Kemalisten sich zurückziehen, und im Privaten zu selbstgefälligen Monstren werden, die das Leben der Vertrautesten tyrannisieren.

Fortsetzung der Reihe »«Die türkische Krise»«. Einleitung von und Diskussion mit Murat Yörük (Autor, u.a. Jungle World).

Trailer zu »Winterschlaf«

Pressebilder zu »Winterschlaf«

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