Dienstag, 15. März 2016

Aus dem Abseits

Deutschland 2015, 112 Min
Regie: Simon Brückner

Als nach der Ermordung des Generalbundesanwalts Siegfried Buback durch die RAF 1977 in einer Göttinger Studentenzeitschrift ein »Nachruf« erschien, in dem der als »Mescalero« zeichnende Autor »klammheimliche Freude« zeigte (obwohl der Text eigentlich Gewalt verurteilte), hatte das weitreichende Folgen, die typisch waren für das hysterische Klima der siebziger Jahre. Die Justizbehörden leiteten Ermittlungsverfahren ein, auch gegen Nachdrucke. 48 Professoren gaben daraufhin eine Dokumentation heraus. Das niedersächsische Wissenschaftsministerium verlangte von den 13 beteiligten und vom Dienst suspendierten Professoren eine »Treueerklärung«. 12 haben sie unterschrieben. Einer nicht: Peter Brückner, der seit 1967 an der Technischen Universität Hannover Psychologie lehrte. Schon einmal, 1972, war er vom Dienst suspendiert worden, wegen angeblicher Unterstützung einer kriminellen Vereinigung, der RAF.

Der Regisseur Simon Brückner war vier Jahre alt, als sein Vater 1982 mit 59 Jahren starb. Erinnerungen hat er kaum welche an ihn, den großen Unbequemen der westdeutschen Professorenschaft und prominentestes Opfer der Berufsverbotspraxis der siebziger Jahre (dessen Hausverbot übrigens erst 1981 aufgehoben wurde).

So macht sich Simon Brückner auf die Suche nach seinem Vater, nach einem bleibenden Bild. Das eigene Bild beruhe ja zur Hälfte auch immer auf der eigenen Vorstellung, belehrt ihn einmal ein Freund seines Vaters, Axel Oestmann, und man kann in diesem Film dabei zusehen, wie es sich zusammensetzt, wenn es auch, zum Glück, nicht ganz schlüssig wird..

Das Lebensbild „Aus dem Abseits“ zeichnet nicht nur Brüche, Fluchten und „public happiness“ eines Linksintellektuellen aus dem 20. Jahrhundert nach, sondern auch die Zerstörungen und Aufbrüche dieses Jahrhunderts – getreu der Devise Peter Brückners, dass es für den einzelnen darauf ankomme, Geschichte und Lebensgeschichte in Einklang zu bringen. Simon Brückner zeigt die Stationen des zuweilen abschüssigen Weges, den sein Vater gegangen ist: als privater und politischer Mensch. Und er öffnet durch seinen persönlichen Zugang zugleich den Blick auf ein Stück „abseitiger“, verschwiegener Geschichte Deutschlands.

Pressebilder zu »Aus dem Abseits«

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